Nick Waterhouse - Nick Waterhouse

Nick Waterhouse - Nick Waterhouse

Der Lieblingstonträger der Woche

Mittlerweile zum vierten Mal gönnt uns Nick Waterhouse eine kurze Auszeit von zeitgenössischer Popmusik, um uns mit seinem Retro-R&B in eine völlig andere Ära zu entführen.

Das vierte Album des Musikers aus Kalifornien heißt dieses Mal einfach nur wie er selbst: Nick Waterhouse. Kein großes Tamtam um Titel oder um’s Artwork.


Tatsächlich lässt sich allein an letzterem eine interessante Entwicklung beobachten: Das Cover von seinem Debütalbum aus dem Jahr 2010 zeigt Nick Waterhouse als aufgehenden Stern am Musikerhimmel stilisiert auf einer spärlich beleuchteten Bühne sitzend – heute, neun Jahre später, sehen wir einen Schnappschuss von Nick Waterhouse auf dem Bürgersteig vor den Electro Vox Studios in L.A., wo alle Songs für das aktuelle Album aufgenommen wurden. Es fühlt sich an, als ob Nick Waterhouse die schützenden Schichten einer Inszenierung abgelegt hätte und seine Musik mit mehr Selbstvertrauen als je zuvor in die große weite Welt hinausschickt.

Retro-Sound aus L.A.

Den Stempel des Nostalgikers für Rhythm & Blues, Soul und Rock'n'Roll hat er seit Tag eins. Dazu passt, dass Nick Waterhouse sein Album selbstverständlich analog aufgenommen hat. Wenn man mit Bändern hantiert, dann kann dabei aber auch mal was schief gehen.

Es gibt kein digitales Backup der Aufnahmen auf das man im Falle eines Festplattencrashs zurückgreifen könnte.


Wohl deswegen muss der Song "Man Leaves Town" ohne ein Flötensolo von Ricky Washington, dem Vater von Kamasi Washington, auskommen. Ob es beschädigt war oder versehentlich weggeschnitten wurde, wissen wir nicht – aber: offenbar unwiederbringlich verloren.

Gewonnen hat Retro-Lover Nick Waterhouse mit seinem neuen Album vielleicht die Erkenntnis, dass es gar nicht so schwer ist, den Sound der alten Zeiten ins Hier und Jetzt zu holen. Jedenfalls hat er seinen Stil auf Platte Nr. vier weiter perfektioniert und ist dabei noch ein bisschen authentischer und besser als auf seinen vergangenen, bereits viel gelobten Alben. Die 50er und 60er Jahre dienen Nick Waterhouse weiter als Inspirationsquelle und musikalische Referenz, klingen tut die Sache gleichzeitig original und modern. Nick Waterhouse selbst weiß um diese Tatsache und nimmt sich gerne mal selbst auf die Schippe, wie im Video zu "Wreck The Rod":


Nick Waterhouse spielt mit Kontrasten

Bei Songs wie "I Feel An Urge Coming On" wollen wir beim Hören auf die nächste Tanzfläche hüpfen (oder bei Nichtvorhandensein einer Tanzfläche eben in die Mitte eigenen Zimmers) – obwohl wir für die richtigen Tanzmoves wahrscheinlich erstmal einen Kurs belegen müssten, aber egal. Auch der Blues als dunklere Gefühlsschattierung kommt bei Nick Waterhouse nicht zu kurz - "Wreck The Rod" kontrastiert mit seinem verspielten Sound die von Nick Waterhouse rezitierten Herzschmerz-Lyrics:
"Love's not a gamble, love is a trap. Love is a lovely suicide path."

Und schließlich wird es auch auf instrumentaler Ebene traurig und nachdenklich ("Thought & Act").

Mit seinen 37 Minuten ist das Album angenehm kurzweilig. Und sobald der letzte Ton verklungen ist, ist man traurig, dass der Ausflug in die Welt von Nick Waterhouse schon wieder vorbei ist. Da hilft nur: wieder und immer wieder hören.



Tracklist: Nick Waterhouse - Nick Waterhouse

01 By Heart
02 Song For Winners
03 I Feel an Urge Coming On
04 Undedicated
05 Black Glass
06 Wreck the Rod
07 Which Was Writ
08 Man Leaves Town
09 Thought & Act
10 El Viv
11 Wherever She Goes (She Is Wanted)

 Nick Waterhouse von Nick Waterhouse wurde am 8. März 2019 via Innovative Leisure (Rough Trade) veröffentlicht.

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