Tabubruch Depression: Freunde fürs Leben e.V.

Tabubruch Depression: Freunde fürs Leben e.V.

Wir müssen mehr über unsere Mental Health sprechen...

Depressionen sind leider auch heute noch zu oft ein gesellschaftliches Tabu - und das muss sich endlich ändern. Anlässlich des Welttags der Suizidprävention haben wir mit dem Freunde fürs Leben e.V. gesprochen, der sich diese Enttabuisierung zur Aufgabe gemacht hat.

Welttag für Suizidprävention

In Deutschland sterben jährlich mehr als doppelt so viele Menschen durch Selbstmord als durch einen Verkehrsunfall.

Dabei ist eine Depression in den meisten Fällen heilbar und kann gut behandelt werden.

Durch die große Tabuisierung des Themas wird sie jedoch häufig nur spät erkannt oder verschwiegen. Darauf soll am 10. September, dem weltweiten Tag für Suizidprävention, aufmerksam gemacht werden.

Während es bei Themen wie Alkohol- oder Drogenmissbrauch oder der HIV-Präventionen schon viele Aufklärungskampagnen gibt, ist das Thema Depressionen und Suizid fast gänzlich unberührt. Über Depression und Suizid wird nicht viel in der Öffentlichkeit gesprochen, in den meisten Kreisen sind es Tabuthemen. Das Resultat ist, dass die meisten Menschen viel zu wenig über Depression und Suizid wissen.
"Es gibt keine Aufklärungskampagnen von offiziellen Stellen zum Thema Depression und Suizid. Die Öffentlichkeit wird nicht darin geschult, woran man eine Depression entweder bei einem selbst oder bei jemanden anderen erkennt. Und auch nicht, wie man helfen kann. Wir haben gar keine Werkzeuge dafür." – Diana vom Freunde fürs Leben e.V. 

Enttabuisierung überfällig

Freunde fürs Leben e. V. versuchen die Stigmatisierung zu ändern. Seit 2001 haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit über die Tabuthemen Depressionen, Suizid und mentale Gesundheit aufzuklären. Mit verschiedenstem Infomaterial auf YouTube, Facebook und Instagram und einem neuen Podcast wollen sie Berührungsängste lösen, Vorurteile aufheben und Erfahrungen teilen.

Mit ihrem Programm richten sich Freunde fürs Leben e. V.  dabei hauptsächlich an Jugendliche und junge Erwachsene - und das aus einem ganz bestimmten Grund: Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren.

Deshalb ist es sehr wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten - niemand ist alleine.

Neben ihrer Aufklärungsarbeit auf Social Media besuchen Diana und ihre Kolleg*innen dafür unter anderem auch Schulklassen und informieren Kinder und Jugendliche über das Tabuthema Mental Health. Denn leider hat kein Unterricht in der Schule eine Aufklärung über mentale Krankheiten im Lehrplan - die Jugendlichen bleiben meist völlig unwissend, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können und dass sie damit nicht alleine in der Welt sind. Das wollen sie ändern.




Warnsignale wahr- und ernst nehmen

Im persönlichen Miteinander ist es in unserer Leistungsgesellschaft bislang nach wie vor ein Tabu, über depressive Phasen und Suizidgedanken zu sprechen. Aus Unwissenheit und Angst, etwas Falsches zu tun, unternehmen Angehörige und Freunde oftmals nichts.

Dabei ist es besonders wichtig für Betroffene, sich von den Personen ernst genommen zu fühlen, die einem am nächsten stehen. Auch deshalb ist Aufklärung über Suizid ist extrem wichtig.

"Wenn eine Person große Hoffnungslosigkeit ausstrahlt, eine starke Veränderung in Ess- oder Schlafgewohnheiten aufzeigt, für lieb gewonnene Dinge nichts mehr empfindet - dann kann das schon ein Anzeichen einer Depression sein" - Diana

Was tun, wenn ein Freund betroffen ist

Das Erste und Einfachste, was du dabei machen kannst, ist ihm*ihr zu signalisieren, dass er*sie von dir wahrgenommen wird. Das zeigst du ihm*ihr am besten, wenn du zuhörst.
"Menschen, denen es nicht gut geht, fühlen sich eh schon isoliert. Zuhören macht schon viel. Wenn es Leuten nicht gut geht und man sie ernst nimmt, hilft das meist schon sehr viel." – Diana


Ratschläge wie "Kopf hoch" oder "Wird schon wieder" sind vielleicht nett gemeint - helfen dem Betroffen allerdings gar nichts. 

Oft kann so eine Aussage es sogar noch verschlimmern, da das umso mehr zeigt, dass sein Problem nicht ernst genug zu sein scheint.

Weiter kann man Betroffenen auch anbieten, den Weg zum Arzt gemeinsam anzutreten.

Falls der erste Schritt zum Therapeuten zunächst zu groß scheint, können auch Hausärzte*innen die erste Anlaufstelle sein. Diese leiten dann je nach Fall die weiteren Wege ein, wie zum Beispiel die Überweisung zum*r Psychotherapeuten*in.

Signale von Fremden auf sozialen Medien

Außerdem empfiehlt Diana, nicht persönlich auf Menschen in sozialen zu zu gehen, die regelmäßig düstere Gedanken teilen oder eindeutige Hashtags wie #itsoknottobeok oder ähnliches verwenden, soweit man sie nicht selbst kennt. 
"Es ist schwierig jemandem zu helfen, den man nicht kennt. Keiner von uns ist ein Psychotherapeut und wir wissen nicht, wie man so einen Menschen lenken kann. Deshalb würde ich immer in erster Linie diese Posts melden. Es gibt Profis, die können mit diesen Leuten reden und mit ihnen in Kontakt kommen. Denn wenn wir 'du brauchst Hilfe' zu jemandem sagen würden, den wir nicht kennen - also völlig anonym - klappt das in der Regel nicht." – Diana



Prominente Unterstützung

Auf dem YouTubekanal "frndTV" sind - neben Expertengespräche über Warnhinweise, Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten - auch Interviews mit Prominenten zu finden, die entweder selbst an einer Depression leiden / gelitten haben oder im direkten Umfeld mit Depressionen oder Suizid konfrontiert wurden.

Unser egoFM Moderator Markus Kavka engagiert sich ebenfalls für Freunde fürs Leben e. V. und hatte für die Videoreihe Bartalk schon Gäste wie Clueso und Samy Deluxe, Jürgen Vogel, Bosse und Prinz Pi vor der Kamera. 

Seine Gäste stellen sich dabei den Themen Suizid und Depression und berichten offen über eigene Krisen und Strategien zu deren Bewältigung. Diana erzählt uns, wie wichtig es ist, dass prominente Menschen in der Öffentlichkeit sehr offen über das Thema reden, denn sie gelten für viele als Vorbildfunktion.
"Viele Leute, die Depressionen haben denken, sie sind damit allein. Wenn zum Beispiel ein Rapper wie Prinz Pi sagt: 'ich habe auch eine Depression und mach das und das und das, damit's mir besser geht', kann das schon auch ein Anreiz für andere sein, die das hören und denken: 'Der hat sich auch Hilfe geholt und ihm geht’'s jetzt besser. Ich sollte das auch einmal ausprobieren.'" - Diana



Kopfsalat-Podcast

Anlässlich des Weltsuizidpräventionstag am 10. September hat der Verein Freunde fürs Leben e.V. auch eine eigene Aktion geplant: Kopfsalat - Der Freunde fürs Leben-Podcast über Depressionen sind dafür mit Liveaufzeichnung in Berlin an den Start gegangen.

Die Moderatorinnen Sonja Koppitz und Sara Steinert sind selbst betroffen und sprechen künftig in monatlich erscheinenden Folgen mit Expert*innen, Ärzten*innen, Therapeut*innen und Prominenten rund ums Thema Depression und Suizid.

Durch die bunte Mischung der Gesprächspartner*innen, die einerseits selbst betroffen sind, soll das Thema wieder ein Stück mehr enttabuisiert werden.
"Wir versuchen immer wieder Wege zu finden, über das Thema zu reden, ohne dass es so wahnsinnig schwerfällig wird. Ja, es ist schwierig - doch je mehr und je offener wir darüber reden, desto leichter kann es manchmal werden. Depressionen sind behandelbar und müssen nicht zum Suizid führen" - Diana

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Kopfsalat – Der Freunde fürs Leben-Podcast über Depressionen startet zum Welttag der Suizidprävention mit einer Liveaufzeichnung in Berlin – und ihr könnt dabei sein! Wir verlosen 5x 2 Tickets für das Event am 10. September um 19 Uhr im @prachtwerkberlin. Kommentiert diesen Post mit einem beliebigen Emoji, um an der Verlosung teilzunehmen! 👋🏼 ㅤ In der ersten Folge sind Sänger Alex der Band @laxdiamondofficial, Psychotherapeutin @miriam_junge und unsere Gründerin Diana Doko bei den Moderatorinnen Sonja Koppitz und Sara Steinert zu Gast. Kommentiert und seid dabei! Viel Glück 🍀 ㅤ #frnd #freundefürsleben #kopfsalat #podcast #verlosung #berlin #rededarüber #alle5minuten #aufklärung #suizid #depression #mentalhealth

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Telefon-Seelsorge

Du bist selbst betroffen, hast eine*n Betroffene*n in deiner unmittelbaren Umgebung oder willst dich einfach weiter über das Thema informieren?

Auf der Seite Freunde fürs Leben e. V. findest du alle Informationen und Tipps rund um das Thema Depression und Suizid und was du dagegen kannst.

Du brauchst aktuell jemanden zum Sprechen? Sorgen und Krisen richten sich nicht nach einer Öffnungs- oder Tageszeit.

Die Telefon-Seelsorge ist rund um die Uhr und kostenfrei für dich da

Hier kannst du anonym mit Menschen reden, die dir zuhören und dich ernst nehmen. Egal ob mitten in der Nacht oder um 8 Uhr morgens.

Die Hotline der Telefon-Seelsorge lautet: 0800 – 111 0 111

  • Freunde fürs Leben e. V.
    Das Interview zum Nachhören

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