Hall of Fame: Pink Floyd

Hall of Fame: Pink Floyd

Musikalische Meilensteine aus der egoPerspektive

Pink Floyds "The Dark Side of The Moon" hat eines der bekanntesten Albumcover überhaupt. Du findest es als Print auf Shirts von Fast-Fashion-Ketten, als gerahmtes Poster in schicken Bars und auf Tumbler-Moodboards. Und natürlich in jeder guten Plattensammlung. Grund genug, sich die Entstehung dieses Albums einmal genauer anzuschauen...
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Time


Es war ein milder Dezember im Jahr 1971. Die Britische Wirtschaft hatte mit einer Inflation zu kämpfen - der Pfund Sterling lag auf einem Rekordtief und die Arbeitslosenzahlen stiegen stetig nach oben. Im Westen der britischen Inseln herrschte Ausnahmezustand. Die IRA versuchte die Unabhängigkeit Nordirlands gewaltsam durchzudrücken, wodurch innerhalb eines Jahres schon mehr als hundert Menschen ums Leben gekommen waren. Edward Heath, der gerade zum neuen Premierminister gewählt wurden war, kam in eine Zeit, die turbulenter nicht hätte sein können.

Brain Damage

Genau in dieser Zeit saßen David Gilmour, Nick Mason, Roger Waters und Richard Wright öfters im Haus von Mason nähe Camden Town beisammen und schauten designiert drein. Sie waren die gefeierten Köpfe hinter der Psychedelic-Space-Rock-Band Pink Floyd, hatten schon mehrere erfolgreiche Alben auf den Markt gebracht, sich als atemberaubende Livemusiker etabliert, die Massen vor der Bühne versammelt. Doch die vier Musiker fühlten sich in einem musikalischen Teufelskreis gefangen. Bei Konzerten spielten sie fast ausschließlich Songs, die Gründungsmitglied Syd Barrett geschrieben hatte. Er hatte die Band drei Jahre zuvor aufgrund von Drogenproblemen verlassen müssen. Statt neuer Songs, verloren sie sich immer öfter in ewigen Improvisationen-Strängen - das konnte so nicht weitergehen. Wenn sie an ihren Erfolg anknüpfen wollten, mussten sie etwas ändern, ihren eigenen Weg finden. Ohne Barrett.

One Of These Days


Wie also das eingefahrene Image der Psychedelic-Space-Rock-Band, die hauptsächlich den Soundtrack für exzessiven Drogenkonsum liefert, abschütteln? Im Haus in Camden Town kam Bassist Roger Waters dann die zündende Idee: Ihr nächstes Album solle sich der Wirklichkeit zuwenden, anstatt sich in Fantasiewelten zu verlieren. Zeitgemäßer, näher an den Problemen der Menschen. Gilmour, Mason und Wright waren sofort von dieser Idee begeistert. Waters setzte sich an die Texte und schrieb innerhalb weniger Monate mehrere Songs, die sich um Krieg, die Macht des Geldes, die hektische Gegenwart und Isolation drehten - alles in Verbindung mit den eigenen persönlichen Erfahrungen Waters. Auch seine Kollegen blieben nicht untätig. Sie schrieben erste Melodien, nahmen diese als Demos auf und sammelten jede noch so kleine Idee. Kurz darauf mieteten sie sich in eine Lagerhalle, die den Rolling Stones gehörte, ein und brachten alle Ideen zusammen. Nach und nach entstanden immer mehr neue Songs und so langsam entwickelte sich der Prototyp eines eigenen Konzeptalbums.

The Great Gig In The Sky


Da Pink Floyd mit Meddle 1971 erst ein neues Album auf den Markt gebracht hatten, standen nun bereits einige Konzerte an. Am 20. Januar 1972 war der Termin für einen Auftritt im Brighton Dome. Die neuen Songs noch frisch im Hinterkopf, entschieden sich die Jungs kurzerhand dazu, ihre neuen Ideen unter dem Namen "Eclipse" zu spielen. "Breathe", "On The Run", "Time" und "Great Gig In The Sky" entwickelten in der neuen Umgebung außerhalb der Lagerhalle eine einzigartige Dynamik - die auch beim Publikum anklang fand. Danach folgte "Money" - ein weiterer neuer Song - der aufgrund technischer Probleme abgebrochen werden musste. Die Technik hielt der Komplexität der Instrumentalisierung einfach noch nicht stand. 

In der Not schwenkte die Band während der Show wieder auf ältere Songs um:



Nach diesem Konzert waren sich aber alle in der Band einig: Pink Floyd hatte seinen neuen Sound gefunden. Auf den folgenden Konzerten rüsteten sie die Technik auf, spielten fast nur noch die neuen Ideen und perfektionierten sie quasi beim Spielen auf der Bühne.

On The Run


Nach 44 weiteren Konzerten rund um den Globus, ging es dann am 1. Juni 1972 in die berühmten Abbey Road Studios. Die meisten neuen Songs saßen zu diesem Zeitpunkt schon fast perfekt. Unter der Leitung von dem erst 23-jährigen Alan Parsons, der sich durch Abbey Road von The Beatles einen Namen gemacht hatte, nahmen sie auch recht schnell die ersten Songs auf. Doch so richtig vollständig klang das irgendwie noch nicht. Es fehlte der richtige Biss. Inspiriert durch das fünf Jahre zuvor erschienene Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band der Beatles, wollten Pink Floyd die Songs noch ein bisschen experimenteller angehen. Die Bandmitglieder schlugen Parsons vor, die bereits aufgenommenen Songs mit diversen Alltagsgeräuschen und Klangverzierungen auszuschmücken. Neue Tontechnik musste her. Es dauerte nicht lange und im ganzen Studio standen unzählige Tonbandgeräte. Auf jedem einzelnen wurde ein anderes Geräusch abgespielt: Münz- und Registrierkassen-Geräusche, das Ticken von Uhren bis hin zu verschiedenen Sprachsamples. Die Leute im Studio mussten teilweise sogar aufpassen, nicht über die gespannten Bänder zu stolpern. Alan Parsons verwebte die Geräusche zu Rhythmen und hauchte einzelne Sprachaufnahmen unter die Songs. Dabei mussten ihm stellenweise sämtliche Bandmitglieder mit unter die Arme greifen, um die Regler des Mischpults zeitgleich zu bedienen und um die vielen Tonspuren von Gitarre oder Chorstimmen in den Griff zu bekommen. Wortwörtlich. Der Aufwand lohnte sich: so langsam bekamen die Songs den anfangs fehlenden Biss.

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Us And Them


Pink Floyd und Alan Parsons feilten weiter an den Songs und fügten immer mehr Instrumente, Geräusche und Spielereien hinzu. Die Stimmung im Studio war losgelöst und energisch, voller Kreativität und Tatendrang. Gastmusiker*innen gingen ein und aus und Pink Floyd nahmen sich Aufnahmegeräten und dokumentierten die Geräusche in der Umgebung.

Roger Waters interviewte zufällig anwesende Personen, darunter Studiomitarbeiter*innen und zum Beispiel Mitglieder der Band Wings. Er stellte Fragen wie "Hast du Angst vorm Sterben?" oder "Wann warst du das letzte Mal gewalttätig?" und hielt diese auf seinem Tonbandgerät fest. Auch Paul McCartney, der zufällig in den Studios war, wurde befragt. Doch seine Antworten waren für Waters alles andere als zu brauchbar:
"He was the only person who found it necessary to perform, which was useless, of course, I thought it was really interesting that he would do that. He was trying to be funny, which wasn’t what we wanted at all."- Roger Waters gegenüber Pink Floyd-Biograf John Harris

Anders als der damalige Abbey Road-Pförtner Gerry Driscoll, der mit den Worten "There is no dark side in the moon, really; matter of fact it’s all dark." ein Album beenden sollte, dass bis heute zu den wichtigsten in der Musikgeschichte zählt.



Money


Nach knapp einem dreiviertel Jahr war es dann soweit: Am 24. März 1973 erschien The Dark Side Of The Moon. Nach dem Release wurde das Album von Kritiker*innen noch als zu perfektionistisch, uneigenständig und billiger Gebrauchsrock zerrissen, doch der Zuspruch aus dem Freundeskreis der Band, von Kolleg*innen und Familie war groß:
"When the record was finished I took a reel-to-reel copy home with me and I remember playing it for my wife then, and I remember her bursting into tears when it was finished. And I thought, 'This has obviously struck a chord somewhere', and I was kinda pleased by that. You know when you've done something, certainly if you create a piece of music, you then hear it with fresh ears when you play it for somebody else. And at that point I thought to myself, 'Wow, this is a pretty complete piece of work', and I had every confidence that people would respond to it." - Roger Waters in einem Interview mit Billboard (2006)

The Dark Side Of The Moon wurde von den Fans und Musikliebhaber*innen mit Freude aufgenommen und katapultierte sich weltweit in den Album-Charts unter die Top 3. Bis heute werden jedes Jahr eine Viertelmillion Exemplare verkauft, was es zum drittmeistverkauften Album (nach Michael Jacksons Thriller und AC/DCs Back in Black) überhaupt macht.



Mit The Dark Side Of The Moon hatten Pink Floyd endlich ihren eigenen Stil gefunden, der sich über Jahrzehnte weiterentwickeln sollte. Mit Wish You Where Here (1975), Animal (1977) und dem Konzept-Opus The Wall (1979) etablierten sie sich endgültig auf dem Rockolymp und beeinflussten Bands wie Foo Fighters, Radiohead und viele weitere egoKünstler*innen - und gehören damit in unsere egoFM Hall of Fame.
  • egoFM Hall of Fame: Pink Floyd
    Musikalische Meilensteine aus der egoPerspektive

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