Aaron Frazer: Introducing...

Aaron Frazer: Introducing...

Der Lieblingstonträger der Woche

Der erste Eindruck ist unbezahlbar – wenn der erstmal sitzt, geht der Rest gleich mal viel einfacher.

Deswegen sind wir bei einem ersten Treffen auch immer so bemüht keinen Blödsinn zu erzählen. Für Künstler*innen ist der Druck natürlich noch einmal besonders groß: Schließlich wird bei ihnen der Ersteindruck auf Platte gebannt und kann immer und immer wieder angehört werden. Ziemlich gruselige Vorstellung – aber Aaron Frazer kann entspannt durchatmen: Sein Debüt Introducing… macht einen unwiderstehlich sympathischen Eindruck.


Neuer alter Bekannter


Ganz neu vorstellen muss sich Aaron Frazer eigentlich gar nicht mehr: Fans von moderneren Soul Bands sind bestimmt schonmal über seine Band gestolpert. Als Schlagzeuger von Durand Jones & The Indications hat Aaron nicht nur für den Groove gesorgt, sondern mit seinem Falsettgesang auch immer wieder das heimliche (oder manchmal auf ziemlich offensichtliche) Songhighlight geliefert. Genau diese Stimme ist auch Black Keys Gitarrist und Produzentenikone Dan Auerbach nicht entgangen.

Nach einem entspannten Telefongespräch war schnell klar, dass Aaron und Dan sich für eine Soloplatte zusammensetzten würden.


Wie man sich wahrscheinlich denken konnte, hat Aaron keine spontane 180 Grad Wendung hingelegt: Introducing… ist eine herrliche Würdigung an die großen Soulheld*innen geworden. Vor allem Curtis Mayfields Meisterwerke und Gil Scott-Herons Botschaften waren immer wieder deutliche Inspiration für Aarons Solodebüt. Dan Auerbach hat sogar richtige Songwriter aus der goldenen Ära des Souls mit an Bord geholt, um seinem Debütanten unter die Arme zu greifen.

So wahnsinnig viel Hilfe hat Aaron aber wohl nicht gebraucht – seine ganz eigenen Stärken ziehen sich ganz harmonisch durch alle Zwölf Songs der Platte. Aaron fängt die Faszination vom Retro Soul perfekt ein und fügt dann doch immer wieder kleine Anleihen aus Gospel, Disco und sogar modernerem Hip Hop an – so wird Introducing… viel mehr als nur eine Hommage an vergangene Zeiten.


Herzensangelegenheiten


Das Tempo der zwölf Songs bleibt meistens entspannt gefällig, damit man als Zuhörer*in an der imaginären Bar entspannt seinen imaginären Whiskey herunterkippen kann. Erst bei "Over You" zieht Aarons Band das Tempo deutlich an und liefert ein spätes, aufrührerisches Highlight, bis dann "Leaning' On Your Everlasting Love" den gemächlichen Ausklang liefert. Die beiden letzten Songs fassen dazu auch noch zum großen Teil die lyrischen Themen der Platte: Es gibt Songs für frisch verschmolzene- und Stücke für klirrend zerbrochene Herzen – und so ziemlich alles dazwischen. Aaron kann sich gleichzeitig in "Your Love Brought It" im frischen Liebesglück sonnen und ein paar Tracks später bei "Have Mercy" schon wieder vor der Trennung erzittern.

Komplett im Zwischenmenschlichen bleibt Aaron aber dann doch nicht hängen: "Ride With Me" ruft wie es der Titel schon verspricht zum Aufstehen auf – zusammen sollen die Menschen die Probleme der Gesellschaft endlich in den Griff bekommen. Der Song kann sich zwar mit Sicherheit noch nicht bei den großen gesellschaftskritischen Soulklassikern einreihen, er deutet aber immerhin an, dass Aaron in Zukunft auch politischere Musik machen könnte.

Und viel mehr muss er ja auch nicht, schließlich ist Introducing… ja erst der erste Vorgeschmack auf seiner Karriere – und der erste Eindruck überzeugt.


Tracklist: Aaron Frazer - Introducing...

01 You Don't Wanna Be My Baby
02 If I Got It (Your Love Brought It)
03 Can't Leave It Alone
04 Bad News
05 Have Mercy
06 Done Lyin'
07 Lover Girl
08 Ride With Me
09 Girl on the Phone
10 Love Is
11 Over You
12 Leaning` On Your Everlasting Love


Introducing... von Aaron Frazer wird am 08. Januar 2021 via Dead Oceans veröffentlicht.

Design ❤ Agentur zwetschke